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Pfarrer Kreß

Pfarrer Kreß Liebe Schwestern und Brüder,

die letzten Wochen waren sehr ereignisreich. Neben dem regulären Gemeindedienst wurde ich noch mit einigen anderen Aufgaben beauftragt.

Die Landessynode hat beschlossen, dass ein Projekt aus Mitgliedern der Landessynode und des Oberkirchenrats sich mit den Herausforderungen der demografischen Entwicklung der nächsten zwanzig Jahre auseinandersetzt. Ich arbeite dabei an zwei Teilprojekten mit, so dass ich in den nächsten zwei Jahren häufiger in Karlsruhe bin. Mein Aufgabe sehe ich darin, zum einen meine breite berufliche Erfahrung mit ähnlichen Projekten in der Energiewirtschaft einzubringen, zum anderen als Kenner der ländlichen Strukturen und Regionen unserer Landeskirche diese zu vertreten.

Anfang Oktober war ich auf einer Tagung der württembergischen und badischen Bezirksdiakoniepfarrer in Bad Boll. Thema war die UN-Behindertenrechtskonvention. Diese fordert ein inklusives Bildungsrecht für lebenslanges Lernen, einen Arbeitsmarkt, der für Menschen mit Behinderungen zugänglich ist und ihnen die Möglichkeit bietet, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Ferner die ausreichende Beachtung der Bürgerrechte für Menschen mit Behinderungen, das Recht von behinderten Menschen zu wählen wo und mit wem sie leben wollen, Assistenz zum selbstbestimmten Leben, die es ermöglicht, die Verschiedenheit der Menschen als Gewinn zu sehen, gleiche Rechte von Behinderten in Fragen von Partnerschaft, Familie und Kindern wie alle anderen. Dies betrifft auch das Leben der Kirchengemeinde.

Die schrittweise Umsetzung dieser UN-Konvention wird in den nächsten Jahren zu einem verwandelten Gesellschaftsbild führen. Die großen Behindertenanstalten werden zum Teil aufgelöst werden. Neue Formen des Zusammenlebens von und mit Behinderten in unseren Städten und Ortschaften werden entstehen. Das Bildungssystem muss dahingehend geändert werden, dass behinderte und nichtbehinderte Kinder miteinander und vor allem voneinander lernen können. Weitestgehende Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden soll gewährleistet werden. Die Wirtschaft wird künftig Arbeitsplätze anbieten, die es Behinderten ermöglicht, wie andere Arbeitnehmer ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wurden behinderte Menschen bisher als Kostenfaktor betrachtet, der Fürsorge braucht, wird künftig ein möglich selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen angestrebt werden, bei der sie die entsprechende Assistenz einkaufen können. Dazu müssen diese Menschen jedoch auch mit der dafür erforderlichen Finanzkraft ausgestattet werden. Diese ganzen, nur angedeuteten Maßnahmen erfordern ein vollständiges Umdenken in unserer Gesellschaft. Alle diese Maßnahmen fallen unter das Schlagwort Inklusion. Keiner soll ausgeschlossen sein, jeder soll die Möglichkeit haben, zu wählen, ob er dazugehören will oder nicht.

Was hat das nun alles mit Weihnachten zu tun? Auch an Weihnachten geht es um Inklusion. Gott kam in diese Welt, im Herrn Jesus Christus. Als Kind, in der Krippe, als Mensch, wie Sie und ich. Seither ist Gott in der Welt, er hat sie gewählt. Und wir? Auch wir haben seither wieder ein Wahlrecht. Wir dürfen, so wie wir sind, zu Gott kommen. In ihm leben. Er schließt uns ein, in seine liebenden Vaterarme. Und wenn Gott in dieser Welt ist, und wenn wir in Gott sein dürfen, ist es unsere Aufgabe, allen Menschen die Möglichkeit zu schaffen, dazu zu gehören.

Ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr 2012 wünscht Ihr

Pfarrer Karl Kreß